Brief an die Aktionäre

Innovation ist unsere Kernkompetenz

Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre, liebe Freunde von Bayer (Handschrift)

ich freue mich, Ihnen den Geschäftsbericht für das Jahr 2016 präsentieren zu können. Es war ein sehr spannendes und intensives Jahr – auch für mich persönlich, da ich im Mai den Vorstandsvorsitz übernommen habe.

Ich danke dem gesamten Vorstand, der Anfang vergangenen Jahres seine Arbeit in neuer Zusammensetzung aufgenommen hat, für seinen Einsatz für das Unternehmen. Es hat sich gezeigt: Eine integrierte Struktur zu schaffen und die Leiter der Divisionen in den Vorstand zu berufen, war der richtige Schritt zur rechten Zeit. Wir haben ein sehr gutes Vorstandsteam, das hervorragend zusammenarbeitet.

Mein Dank gilt auch den Mitgliedern des Aufsichtsrats für die vertrauensvolle Zusammenarbeit sowie allen unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, deren großes Engagement und persönlicher Einsatz ein weiteres erfolgreiches Jahr für Bayer möglich gemacht haben.

Wir konnten im Jahr 2016 Umsatz und Ergebnis erneut deutlich steigern und erreichten mit unserer operativen Performance erneut ein Rekordniveau. Der Konzernumsatz legte währungs- und portfoliobereinigt um 3,5 Prozent auf 46,8 Milliarden Euro zu und das bereinigte EBITDA um 10,2 Prozent auf 11,3 Milliarden Euro. Das bereinigte Ergebnis je Aktie erhöhte sich um 7,3 Prozent auf 7,32 Euro.

Bei Pharmaceuticals stieg der Umsatz währungs- und portfoliobereinigt erfreulich um 8,7 Prozent, wobei unsere fünf neueren Produkte einmal mehr erheblich zum Wachstum beigetragen haben. Xarelto™, Eylea™, Xofigo™, Stivarga™ und Adempas™ erzielten zusammen einen Umsatz von 5,4 Milliarden Euro, verglichen mit 4,2 Milliarden Euro im Vorjahr. Das kumulierte jährliche Spitzenumsatzpotenzial dieser fünf Produkte haben wir von bisher mindestens 7,5 Milliarden Euro auf über 10 Milliarden Euro angehoben.

Bei Consumer Health legte der Umsatz währungs- und portfoliobereinigt um 3,5 Prozent zu. Deutliche Zuwächse erreichten wir hier vor allem in Lateinamerika und Asien / Pazifik.

Crop Science erreichte trotz eines schwachen Marktumfelds das Umsatzniveau des Vorjahrs. Der Bereich Seeds konnte deutlich zulegen, und auch Environmental Science verzeichnete einen erfreulichen Umsatzzuwachs. Animal Health erzielte währungs- und portfoliobereinigt einen Umsatzanstieg von 4,8 Prozent.

Covestro wird aufgrund unserer Mehrheitsbeteiligung von derzeit rund 64 Prozent weiterhin voll konsolidiert. Hier lag der Umsatz währungs- und portfoliobereinigt auf dem Niveau des Vorjahrs. Wir freuen uns sehr darüber, wie gut sich Covestro seit dem Börsengang im Oktober 2015 entwickelt hat. Dies bestätigt, dass die Trennung für beide Unternehmen richtig war: Covestro hat sich im ersten Jahr der Selbstständigkeit auf Basis eines sehr guten Geschäftsverlaufs erfolgreich am Kapitalmarkt etabliert, und Bayer hat durch die Konzentration auf die Life Sciences exzellente Wachstumsperspektiven. Wir haben unverändert die Absicht, uns mittelfristig vollständig von Covestro zu trennen.

Bayer-Vorstandsvorsitzender Werner Baumann (Foto)

Bayer-Vorstandsvorsitzender Werner Baumann

Das Jahr 2016 war geprägt durch die vereinbarte Übernahme von Monsanto. Damit wollen wir Bayer als Life-Science-Unternehmen weiter stärken und für Sie, unsere Aktionärinnen und Aktionäre, durch mehr Innovation, stärkeres Wachstum und größere Effizienz langfristig erheblichen zusätzlichen Wert schaffen. Die beiden Geschäfte ergänzen sich perfekt, sowohl regional als auch im Hinblick auf das Produktportfolio.

Dieser Schritt ist auch gut für die Gesellschaft als Ganzes, denn mit der Kombination unserer Kompetenzen können wir noch besser dazu beitragen, eines der drängendsten Themen dieser Zeit anzugehen: die Ernährung von etwa zehn Milliarden Menschen, die voraussichtlich im Jahr 2050 auf der Erde leben werden.

Gemeinsam mit Monsanto wären wir noch besser in der Lage, den Landwirten auf der ganzen Welt ein Produktangebot zu machen, das auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist und ihnen einen echten Mehrwert bietet: von der richtigen Auswahl des Saatguts über die Saatgutbehandlung bis zur Bekämpfung von Unkraut, Schädlingen und Pflanzenkrankheiten. Auch im Hinblick auf die zunehmende Digitalisierung in der Landwirtschaft wird Monsanto wertvolle Kompetenzen einbringen.

Wir sind zuversichtlich, dass wir alle erforderlichen behördlichen Genehmigungen erhalten werden und die Transaktion bis Ende 2017 abschließen können. Die Finanzierung stellen wir durch Aufnahme von Fremd- und Eigenkapital sicher. So haben wir im November 2016 mit der erfolgreichen Platzierung einer Pflichtwandelanleihe die erste Eigenkapitalmaßnahme schon erfolgreich umgesetzt.

Trotz der hohen Investitionen in den Erwerb von Monsanto treiben wir das organische Wachstum in den Bereichen Pharmaceuticals, Consumer Health und Animal Health unverändert weiter voran. Die nötigen Mittel für Investitionen in unsere Standorte sowie für kleinere Übernahmen und Einlizenzierungen werden ebenfalls zur Verfügung stehen.

Das gilt selbstverständlich auch für Forschung und Entwicklung. Wir haben unsere Forschungs- und Entwicklungsausgaben in den Life-Science-Bereichen im vergangenen Jahr erneut gesteigert – auf nun 4,4 Milliarden Euro. Und wir planen, sie auch im laufenden Jahr weiter zu erhöhen. Denn Innovation ist unsere Kernkompetenz. Gerade in den Life-Science-Bereichen besteht ein großer Bedarf an neuen Produkten und Lösungen. Zum Beispiel für bessere Therapien von Krankheiten wie Krebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder für die notwendige Produktivitätssteigerung in der Landwirtschaft, um die wachsende Weltbevölkerung ernähren zu können. Zudem dienen Investitionen in die Selbstmedikation dazu, unsere alternde Bevölkerung gesund zu halten und die öffentlichen Gesundheitssysteme auf der ganzen Welt zu entlasten.

Unsere Investitionen in die Forschung sowie gezielte Einlizenzierungen sind die Basis für unser langfristiges Wachstum – wie auch die Projekte zeigen, die es in unsere Entwicklungspipelines geschafft haben. Bei Pharmaceuticals zum Beispiel schätzen wir das kombinierte jährliche Spitzenumsatzpotenzial von sechs vielversprechenden Produktkandidaten in der mittleren bis späten Pipeline auf mindestens 6 Milliarden Euro. Und das kombinierte Spitzenumsatzpotenzial der Bayer-Pipeline für Pflanzenschutz und Saatguttechnologie dürfte insgesamt bei über 5 Milliarden Euro liegen – bezogen auf Produkte, die zwischen 2015 und 2020 auf den Markt kommen sollen.

Doch wer heutzutage an der Spitze der wissenschaftlichen und technologischen Entwicklung bleiben will, braucht auch exzellente Partner. Daher vernetzen wir uns über Kooperationen und strategische Allianzen mit führenden Hochschulen, öffentlichen Forschungseinrichtungen, Partnerfirmen und Start-ups. So haben wir im vergangenen Jahr einen dreijährigen Kooperationsvertrag mit dem dänischen Unternehmen FaunaPhotonics geschlossen. Gemeinsam wollen wir neuartige Sensorlösungen entwickeln, mit denen die Entwicklung von Schädlingspopulationen in der Landwirtschaft besser überwacht und Schädlinge effektiver bekämpft werden können.

Ein weiteres Beispiel: Gemeinsam mit Versant Ventures haben wir das Unternehmen BlueRock Therapeutics gegründet und zusammen 225 Millionen US-Dollar zur Entwicklung von Stammzell-Therapien zur Heilung verschiedener Krankheitsbilder bereitgestellt. BlueRock Therapeutics ist die zweite große Investition des Bayer Lifescience Center, das bahnbrechende wissenschaftliche Fortschritte in Medizin und Landwirtschaft schnell identifizieren, fördern und zugänglich machen soll.

Bei allem, was wir tun, ist uns bewusst: Die Basis sind unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ihre Kreativität, ihr Wissen und ihr Engagement machen die Leistungsfähigkeit von Bayer aus. Wir unternehmen daher große Anstrengungen, die besten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für Bayer zu gewinnen und zu halten. Dafür schaffen wir ein attraktives Arbeitsumfeld und pflegen eine kreative Unternehmenskultur, die geprägt ist von Vielfalt und Internationalität, ebenso wie von Kundenorientierung, Experimentierfreude, Zusammenarbeit und Vertrauen.

Unsere Mitarbeiter arbeiten auch deshalb gerne für Bayer, weil sie wissen, dass nachhaltiges Handeln und die Verantwortung für die Gesellschaft in unserer Unternehmenskultur fest verankert sind. Wir haben uns den Grundregeln nachhaltiger Entwicklung und den zehn Prinzipien des Global Compact der Vereinten Nationen verpflichtet, und wir leisten Jahr für Jahr durch vielfältiges humanitäres Engagement und gemeinnützige Aktivitäten einen Beitrag für die Gesellschaft. Ein Beispiel dafür sind unsere Initiativen zur Unterstützung von Flüchtlingen in Deutschland. So haben wir an unseren Standorten in Leverkusen und Berlin Projekte ins Leben gerufen, in denen junge Flüchtlinge auf eine spätere Berufsausbildung vorbereitet werden.

Unser Bekenntnis zur gesellschaftlichen Verantwortung zeigt sich auch bei unserer täglichen Zusammenarbeit mit Kleinbauern in aller Welt. Wir unterstützen sie mit zahlreichen Initiativen, vor allem in Afrika und Asien. Unsere Expertise hilft ihnen dabei, mehr Nahrungsmittel zu erzeugen und sie auch besser zu vermarkten – und damit ein höheres Einkommen zu erzielen.

Sie sehen: Bayer ist in jeder Hinsicht auf einem guten Weg. Um langfristig erfolgreich bleiben zu können, brauchen wir aber auch verlässliche Rahmenbedingungen. Hier ist die Politik gefordert, kluge Entscheidungen zu treffen, um Wachstum und Wohlstand im Blick zu haben. Es kommt darauf an, dem europäischen Gedanken neue Kraft zu geben, denn wir brauchen alle ein zukunftsfähiges und prosperierendes Europa. Die Debatte, wie das geschehen kann, hat gerade erst begonnen. Für uns ist es selbstverständlich, dass wir als Unternehmen aktiv, offen und transparent unseren Teil zu wichtigen gesellschaftlichen und politischen Themen beitragen.

Ihnen, sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre, möchte ich im Namen des gesamten Vorstands für das anhaltende Vertrauen danken, das Sie Bayer entgegenbringen.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Werner Baumann (Handschrift)

Werner Baumann
Vorstandsvorsitzender der Bayer AG